Nun auch im Büro: Laser-Konkurrenz durch moderne Tintendrucker

 

Auf dem Druckermarkt ist ein interessanter Trend zu beobachten: Der Tintenstrahldrucker setzt sich verstärkt auch wieder im gewerblichen Einsatz durch. Die Nachfrage wird angeheizt durch die Tatsache, dass Tintenstrahldrucker einen niedrigen Stromverbrauch haben, die Druckgeschwindigkeit mit Laserdruckern gleichzieht und auch die Druckkosten bei den Top-Modellen ständig weiter sinken. Außerdem scheinen die öffentlichen Diskussionen um die Feinstaubemissionen der Laserdrucker diesen Trend zu verstärken.

 

Bye Bye Laser von Epson
Aktuell Marketingkampagne von Epson: Bye, Bye, Laser...

 

Die Entwicklung des Marktes von 2008 bis 2016

Am stabilsten sind die Umsätze, die mit Farblaserdruckern in Westeuropa erzielt werden. Hier ist im Betrachtungszeitraum eine minimale Steigerung von 0,1 Prozent beim Absatz hochgerechnet worden. Anders gestaltet sich die Situation beim Laserdrucker mit s/w-Druckwerk. Hier gehen die Experten davon aus, dass im Jahr 2016 mehr als vier Prozent weniger Umsätze als im Jahr 2008 erzielt werden können. Das völlige Gegenteil zeigt sich bei den Umsätzen mit Business-Tintenstrahldruckern. Hier wird, ausgehend von den Werten des Jahres 2008, bis zum Jahr 2016 eine Steigerung der Absatzzahlen von knappen acht Prozent erwartet.

 

Die Pluspunkte der Tintenstrahldrucker für Geschäftskunden

Lange Zeit hieß es, dass nur Laserdrucker und Multifunktionsgeräte auf Laserbasis bei gewerblichen Nutzern wirklich rentabel zu betreiben wären. Diese These scheint überholt zu sein. Neben den sehr günstig werdenden Druckkosten und dem niedrigen Energieverbrauch wirken sich auch die entfallenden Emissionen sowie die hohen Druckgeschwindigkeiten förderlich auf die Nachfrage bei den Tintenstrahldruckern aus.

Die Einführung der Memjet-Technologie war ein wichtiger Schritt dazu. Neue Druckköpfe, die sich über die gesamte Breite einer Seite hinziehen, bewirkten bei den Tintenstrahldruckern eine Druckleistung, die locker mit der eines guten Laserdruckers mithalten und sie sogar noch überbieten kann. Einer der ersten Vertreter diese neuen Druckergeneration war der Evojet von Lomond, der bis zu sechzig Seiten pro Minute drucken kann. HP hat mit der Officejet-Pro-Serie gezeigt, dass auch ein günstiger Tintenstrahldrucker eine Leistung von vierzig Seiten pro Minute bietet. Bei der Pro-X-Reihe von HP sind sogar 42 Seiten pro Minute möglich. Der HP Officejet Pro X551dw gilt als der derzeit schnellste Desktop-Drucker der Welt, der nach dem Tintenstrahlprinzip arbeitet und mehrfarbige Ausdrucke liefern kann. Bis zu siebzig Ausdrucke kann der Drucker pro Minute für professionelle Dokumente liefern und steht deswegen auch im Guinnessbuch der Rekorde.

 

Festsitzender HP Officejet X-Serie Druckkopf
 

Der festsitzende HP Druckkopf is so breit wie das Papier

 

Video über den "Laserkiller" HP Officejet X-Serie

 

 

 

Die Veränderungen der Druckkosten heizen Nachfrage an

Bisher hieß es immer, dass man mit einem Laserdrucker bei umfangreichen Druckaufträgen wirtschaftlich besser wegkommt. Auch diese Ansicht ist inzwischen überholt. HP und Epson werben beispielsweise damit, dass sich mit ihren Spitzenmodellen Druckkosten erzielen lassen, die teilweise nur fünfzig Prozent der Kosten für leistungsmäßig vergleichbare Laserdrucker betragen. Dabei beziehen sich beide Hersteller auf einen Test, der in der Ausgabe 4 des Jahres 2012 in der Fachzeitschrift „Chip“ veröffentlicht worden ist. Damals wurden die Modelle HP Officejet Pro 8600 sowie HP Laserjet Pro 100 gegenüber gestellt. Epson leitet seine Aussage aus einem hausinternen Vergleich mit den Top-100-Modellen der aktuellen Laserdrucker ab. Epson selbst bezweifelt in der aktuellen Marketingstrategie ja schon lange die Zukunft von Laserdruckern.

Das stellt die Theorie der vergangenen Jahre auf den Kopf, nach der ein Tintenstrahldrucker als teuer vom Unterhalt her eingestuft worden ist. Vor allem die Mischkalkulation der Stützung der Druckerpreise über Aufschläge auf das Druckerzubehör spielte hier eine wichtige Rolle. Damit wurde den Kunden suggeriert, dass Druckertinte „die teuerste Flüssigkeit der Welt“ wäre, was allerdings so nicht stimmt, denn rein von den Herstellungskosten her ist Druckertinte nicht teurer als Toner.

 

Die Fehlinformationen bei den Eigenschaften von Toner und Druckertinte

Dokumentencht?Als Verkaufsargumente für die Laserdrucker im Business-Bereich wurde behauptet, dass ein dokumentenechter und manipulationssicherer Druck nur mit einem Laserdrucker möglich wäre. Auch diese Behauptung erweist sich bei genauerer Betrachtung als falsch. Mit den modernen pigmentierten Tinten lassen sich gute dokumentenechte Ausdrucke erzielen, die natürlich auch wisch- und markerfest sind. Allerdings wird im Portfolio der Tintenstrahldrucker für den privaten Nutzer meistens wasserlösliche Tinte verwendet. Bei der Palette der Business-Tintenstrahldrucker ist die serienmäßig verwendete pigmentierte Tinte dagegen ein Standard, der sich immer mehr durchsetzt.

Dokumente, die mit pigmentierter Tinte erstellt werden, gelten mittlerweile sogar zu Recht als manipulationssicherer als Ausdrucke mit einem Laserdrucker. Die Tinte zieht in die Fasern des Papiers ein, während der Toner nur oberflächlich aufgetragen wird und dadurch wieder abgekratzt werden kann. Das ist ein Grund, warum in vielen kommunalen und staatlichen Behörden inzwischen Drucker der Epson-Workforce-Reihe beispielsweise beim Drucken von Personaldokumenten zum Einsatz kommen.

Beispiele dafür gibt es viele. Zu ihnen gehören Finanzämter, Justizbehören und sogar das Bundespräsidialamt, wobei hier noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Das beweisen die aktuellen Ausschreibungen in Niedersachsen, wo bei Behörden rund 10.000 Laserdrucker von Samsung ersetzt werden sollen. Dort müssen die Anbieter auch die Anforderungen an die Emissionsfreiheit und die Energieeffizienz erfüllen, was mit Laserdruckern nicht möglich ist. Ähnlich sehen die Ausschreibungen in Bayern aus, wo gerade eben rund 12.000 s/w-Lasergeräte durch aktuelle Modelle von Epson mit einem Tintenstrahldruckwerk ersetzt werden.

Auch eine aktuelle Pressemeldung von Epson selbst bestätigt diesen Trend. Am 25. September 2013 teilte das Unternehmen mit, dass über den Kooperationspartner Bechtle AG an das bayerische Landesamt für Steuern 12.000 Geräte der Baureihe Epson WorkForce Pro WP-M4095DN ausgeliefert werden. Das gleiche Modell gewann auch bei den Ausschreibungen der Justizbehörden in Niedersachsen. Die Serie Epson WorkForce gehört zu den leistungsstarken Tintenstrahldruckern von Epson, die für den Einsatz im gewerblichen und behördlichen Bereich optimiert worden sind. Das gilt sowohl in Bezug auf die Druckleistung als auch die Druckkosten.

 

Günstiger Stromverbrauch wichtiges Argument für Tintenstrahldrucker

Statistisch betrachtet liegt der Stromverbrauch der Tintenstrahldrucker lediglich bei rund einem Fünftel der Werte der vergleichbaren Laserdrucker. Verursacht wird diese Differenz durch die Lasertechnologie, bei der die Fixierwalze auf 180 Grad erhitzt werden muss. Dieser extrem niedrige Stromverbrauch bezieht sich beispielsweise auf die Modelle Epson Workforce. Auch die beim Laserdrucker notwendige Vorwärmzeit wirkt sich negativ auf die Energiebilanz der Geräte aus. Parallel bewirken sie, dass man bei einem Laserdrucker länger auf den ersten Ausdruck warten muss als bei einem Tintenstrahldrucker. Das macht sich im Hinblick auf die Effizienz vor allem dort bemerkbar, wo regelmäßig einzelne Ausdrucke erstellt werden müssen.

 

Keine Emissionen – ein weiterer Pluspunkt für den Tintenstrahldrucker

In jüngster Zeit spielen die Diskussionen rund um Feinstaub bei Laserdruckern in der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Laserdrucker sondern bei der Arbeit Feinstaub ab, was beim Tintenstrahldrucker nicht der Fall ist. Das war ein Grund, der dazu geführt hat, dass beim Justizministerium von Niedersachsen rund 4.000 Laserdrucker ausgesondert und durch moderne Business-Tintenstrahldrucker ersetzt worden sind. Abgeleitet wurde diese Entscheidung von Krebserkrankungen von Mitarbeitern des Amtsgerichts in Wedel. Bei denen konnte zwar ein direkter Zusammenhang mit den Feinstaubemissionen der Laserdrucker am Arbeitsplatz nicht hergestellt werden, aber allein die bestehende Möglichkeit reichte dem Justizministerium aus.

Ein klares Manko ist, dass es aktuell noch keine allgemeinverbindlichen Regelungen für einzuhaltende Grenzwerte bei den Feinstaubemissionen durch Laserdrucker gibt. Das schürt die Ängste der potentiellen Kunden und treibt sie förmlich zu den Anbietern für Tintenstrahldrucker, wo dieses schwelende Risiko nicht in Kauf genommen werden muss.

 

Kein Feinstaub bei Tintenstrahldruckern
Unterschied zwischen neuen und gebrauchten Feinstaubfilter

 

Die aktuelle Situation auf dem Weltmarkt

Ein Blick auf die Lage in den Vereinigten Staaten zeigt, dass hier der Trendwechsel weg vom Laserdrucker und hin zum Tintenstrahldrucker im Business-Bereich schon deutlich weiter fortgeschritten ist. Für das Jahr 2016 wird erwartet, dass rund 56 Prozent aller Drucker bei gewerblichen Nutzern auf Tintenstrahlbasis arbeiten werden. Nur 44 Prozent der Business-Drucker werden zu diesem Zeitpunkt noch ein Laserdruckwerk haben.

Europa zieht gerade eben nach mit einer ähnlichen Entwicklung. Das belegen die Verkaufszahlen aus dem Jahr 2012. Insgesamt wurden in Westeuropa 3,2 Millionen Tintenstrahldrucker verkauft, während der Absatz der Laserdrucker sich auf 2,4 Millionen Stück minimierte. Hochrechnungen besagen, dass im Jahr 2016 bis zu 4,2 Millionen Tintenstrahldrucker pro Jahr in Westeuropa verkauft werden. In diesen Zahlen enthalten sind aktuell rund zehn Millionen Tintenstrahldrucker, die bei Business-Kunden zum Einsatz kommen. Bis zum Jahr 2016 soll ihr Anteil auf rund 16 Millionen steigen.

Noch deutlich zeigt sich der Trendwechsel bei der Verteilung des Druckvolumens. Im Jahr 2012 sind aktuellen Zahlen zufolge 14 Milliarden Ausdrucke auf Tintenstrahldruckern erfolgt. Für das Jahr 2016 werden bis zu 24 Milliarden auf Tintenstrahldruckern und Multifunktionsgeräten auf Tintenstrahlbasis ausgedruckt werden. Diese Einschätzung stammt von Infotrends, wo eine Unterteilung in zwei verschiedene Kategorien von Business-Druckern vorgenommen wird. Sie bezieht sich auf die Größe des Druckkopfes. Bei den „normal breiten“ Druckköpfen wird auch für die nächsten Jahre eine Konkurrenz mit dem Laserdrucker angenommen, während den Geräten mit seitenbreitem Druckkopf (Memjet) besonders stark steigende Absatzzahlen zugeschrieben werden.

 

Auch Veränderungen beim Service zeichnen sich bereits ab

Viele Business-Interessenten haben bisher nur deshalb zum Laserdrucker oder Multifunktionsgerät mit Laserdruckwerk gegriffen, weil im Paket umfangreiche Serviceleistungen mit enthalten waren. Dieser Inklusive-Service wurde bei den Tintenstrahldruckern bisher eher wie „ein Stiefkind“ behandelt, was natürlich auch an der allgemeinen Wartungsarmut der Tintenstrahldrucker liegt. Der sich abzeichnende Trend hin zum Tintenstrahldrucker könnte auch den Werkstätten zum Verhängnis werden, da mit den entfallenden Serviceleistungen wichtige Einnahmequellen wegbrechen. Das heißt, dass eine Folge des Wandels auch neue Strategien bei den Fachhändlern und in den Werkstätten notwendig werden.

 

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Kommentare

Darauf warte ich schon seit Jahren. Es war abzusehen, dass die luftverpesteten Laserdrucker in Zukunft nicht mehr erste Wahl sein werden. Hoffentlich werden die neuen Tintendrucker auch schnell weiterentwickelt, damit auch die letzten Nachteile verschwinden.

Zitat: "von den Herstellungskosten her ist Druckertinte nicht teurer als Toner"

Wann wird sich das denn, nicht nur für Großabnehmer, in den Verkaufspreisen niederschlagen?
Wohl nie, denn von den astronomischen Tintenpreisen leben die Hersteller sehr gut.

Video über den "Laserkiller" HP Officejet X-Serie
Video ist nicht öffentlich

Hallo Nobse,

Danke für den Hinweis. Habe es geändert.

Gruß,
Andreas

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